Fahrzeughistorie lückenlos nachverfolgen
Sektor: Sekundärer Sektor · Branche: Automobilindustrie · Unternehmen: BMW Group · Reifegrad: pilot
BMW nutzt mit PartChain eine Blockchain-basierte Plattform, um die vollständige Rückverfolgbarkeit von Komponenten und kritischen Rohstoffen in mehrstufigen internationalen Lieferketten zu gewährleisten. Das System kombiniert Blockchain- und Cloud-Technologien von Amazon Web Services und Microsoft Azure, um einen manipulationssicheren Datenaustausch zwischen Lieferanten zu ermöglichen. Das 2019 gestartete Pilotprojekt umfasste zunächst zwei BMW-Werke und drei Standorte des Lieferanten Automotive Lighting, mit geplanter Ausweitung auf zehn weitere Lieferanten.
Beschreibung
BMW hat mit PartChain eine Blockchain-Plattform entwickelt, die gemeinsam mit Cloud-Technologien wie Amazon Web Services und Microsoft Azure betrieben wird. Das System ermöglicht es, die Herkunft einzelner Bauteile manipulationssicher über alle beteiligten Partner hinweg zu verfolgen — bisher ein hochmanueller Prozess. Partner können Daten effizient teilen, behalten aber gleichzeitig die Kontrolle über ihre eigenen Daten. BMW-Blockchain-Verantwortlicher Andre Luckow beschreibt das als „klassische Win-win-Situation". BMW gründete 2018 auch die Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) mit — eine branchenübergreifende Initiative von 120 führenden Automobil-, Mobilitäts- und Technologieunternehmen.
Die BMW Group initiierte das Projekt PartChain, um Bauteile und kritische Rohstoffe in mehrstufigen internationalen Lieferketten lückenlos zurückzuverfolgen. Das Problem: Die IT-Systeme der vielen beteiligten Partner kommunizierten bislang nicht durchgängig miteinander — Transparenz erforderte hohen manuellen Aufwand. PartChain kombiniert Blockchain mit Cloud-Technologien (Amazon Web Services, Microsoft Azure) und ermöglicht damit eine manipulationssichere, jederzeit überprüfbare Erfassung aller Lieferkettendaten. Ein erstes Pilotprojekt konzentrierte sich 2019 auf die Teileverfolgung beim Einkauf von Frontleuchten. Beteiligt waren die BMW-Werke Dingolfing und Spartanburg (USA) sowie drei Standorte des Zulieferers Automotive Lighting. Das Ergebnis: Die Herkunft einzelner Teile lässt sich nun per Mausklick über alle Partner hinweg im Detail verfolgen. Für 2020 plante BMW den Rollout auf rund zehn weitere Lieferanten. Langfristiges Ziel ist die vollständige Rückverfolgbarkeit kritischer Rohstoffe — insbesondere Kobalt für Elektrofahrzeugbatterien — von der Mine bis zur Schmelze. BMW leitet innerhalb der MOBI-Initiative (120 Unternehmen) eine Arbeitsgruppe für Supply-Chain-Themen.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Lieferanten und BMW-Werke teilen Daten über PartChain sicher und anonymisiert — ohne eigene IT-Systeme vollständig zu integrieren. Das ermöglicht transparente Lieferkettendokumentation auch über Unternehmensgrenzen hinweg, ohne Geschäftsgeheimnisse preiszugeben.
Perspektive B2C — Privatpersonen
Endkunden profitieren indirekt: BMW demonstrierte in einer Machbarkeitsstudie bereits die App VerifyCar, mit der Kunden ihren Fahrzeugkilometerstand blockchain-basiert nachverfolgen und auf Wunsch mit Dritten teilen können.
Perspektive Mitarbeitende
Einkaufsexperten der BMW Group erhalten Lieferkettentransparenz per Mausklick — was früher hohen manuellen Rechercheaufwand erforderte. Bei Problemen in der Lieferkette kann die Ursache deutlich schneller lokalisiert werden.
Vorteile
Allgemein
- Die Blockchain-Technologie ermöglicht eine manipulationssichere und lückenlose Dokumentation aller Lieferkettenprozesse von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt.
- Unternehmen können durch automatisierte Compliance-Prozesse und verbesserte Risikobewertung ihre Betriebskosten signifikant reduzieren.
- Die Plattform schafft Vertrauen zwischen allen Beteiligten der Lieferkette, ohne dass sensible Geschäftsdaten preisgegeben werden müssen.
B2B — Unternehmen
- Automatisierte Compliance-Berichte und Audit-Trails reduzieren den administrativen Aufwand und Kosten für Zertifizierungen erheblich.
Mitarbeitende
- Mitarbeiter können sich von zeitraubenden manuellen Dokumentationsaufgaben auf strategische Entscheidungen und Analysen konzentrieren.
Herausforderungen
Allgemein
- Die erfolgreiche Implementierung erfordert die aktive Teilnahme und Kooperation aller Lieferanten in der mehrstufigen Lieferkette, was organisatorisch sehr anspruchsvoll ist.
- Hohe Investitionskosten für IT-Infrastruktur und die Schulung von Mitarbeitern können besonders für kleinere Unternehmen eine Hürde darstellen.
B2B — Unternehmen
- Unterschiedliche technische Standards und Systeme bei verschiedenen Lieferanten erschweren die Integration und erfordern umfassende Standardisierungsarbeit.
Mitarbeitende
- Mitarbeiter müssen neue digitale Kompetenzen im Umgang mit Blockchain-Technologien und Cloud-Systemen erwerben.
Technologische Grundlage
PartChain basiert auf einer privaten Blockchain-Lösung, die mit Cloud-Technologien von Amazon Web Services und Microsoft Azure kombiniert wird. Diese Hybrid-Architektur ermöglicht es, sensible Lieferkettendaten sicher und manipulationssicher zu speichern, während gleichzeitig die nötige Skalierbarkeit für internationale Lieferantennetzwerke gewährleistet wird.
Umsetzungsbeispiele
BMW PartChain Pilotprojekt für Frontleuchten (BMW Group, Automobilindustrie)
BMW testete die PartChain-Plattform erfolgreich im Einkaufsprozess für Frontleuchten mit dem Lieferanten Automotive Lighting.
Quellen: BMW Group treibt mittels Einsatz von Blockchain die Lieferketten-Transparenz weiter voran
Tags
Lieferkette, Transparenz, Rückverfolgbarkeit, Cloud-Integration, Rohstoffe
Quellen
- BMW Group treibt mittels Einsatz von Blockchain die Lieferketten-Transparenz weiter voran — BMW Group, Pressemitteilung
- VeChain und BMW entwickeln Auto-Sicherheitsplattform — CVJ.ch, Artikel
- BMW will Lieferketten mit Blockchain transparent machen — Absatzwirtschaft, Artikel
- Autobauer BMW will weltweite Lieferketten durch Blockchain-Technik nachverfolgen — ICTK, Artikel