Streitfälle mit Lieferanten auf gemeinsamer Datenbasis klären
Sektor: Tertiärer Sektor · Branche: Einzelhandel · Unternehmen: The Home Depot, Inc. · Reifegrad: production
Die US-Baumarktkette The Home Depot nutzt gemeinsam mit IBM ein verteiltes Register, in das Versand-, Wareneingangs- und Empfangsdaten von Händler und Lieferant in Echtzeit einfließen. Weil beide Seiten dieselben Daten zum selben Zeitpunkt sehen, entfällt der wochen- bis monatelange Abgleich getrennter Aufzeichnungen bei Mengen- und Zustandsabweichungen. Nach Angaben von IBM sank die Zahl der Streitfälle um 65 Prozent, und die Klärungsdauer verkürzte sich von Wochen oder Monaten auf wenige Tage.
Beschreibung
Die US-Baumarktkette The Home Depot nutzt gemeinsam mit IBM ein verteiltes Register, um Streitfälle mit Lieferanten auf einer gemeinsamen Datenbasis zu klären. Zwischen dem Wareneingang beim Händler und der Rechnungsstellung des Lieferanten entstehen regelmäßig Mengen- und Zustandsabweichungen, die sich über Wochen bis Monate hinziehen, weil beide Seiten eigene Aufzeichnungen führen. Im gemeinsamen Register sehen Händler und Lieferant dieselben Versand-, Wareneingangs- und Empfangsdaten zum selben Zeitpunkt, sodass die Ursache der meisten Auseinandersetzungen entfällt.
The Home Depot betreibt die Lösung auf der IBM Blockchain Platform und bindet teilnehmende Lieferanten fortlaufend an. In das Register fließen Versand-, Wareneingangs- und Empfangsdaten beider Seiten ein, sodass beide dieselbe Sicht auf eine Lieferung haben, statt später widersprüchliche Belege abgleichen zu müssen. Sämtliche Daten, festgestellte Abweichungen und die daraus folgenden Entscheidungen werden unveränderbar im verteilten Register protokolliert und bilden eine vollständige Prüfhistorie. Nach Angaben von IBM realisiert das Unternehmen dadurch eine Reduktion der Streitfälle um 65 Prozent, und die verbleibenden Fälle werden in Tagen statt in Wochen oder Monaten geklärt. IBM beschreibt den Ansatz zugleich als Grundlage für weitere Funktionen im Procure-to-Pay-Bereich: Lieferanten können Bestandsdaten in Echtzeit einsehen, Retouren lassen sich nachverfolgen, und Frachtführer können angebunden werden, um Frachtreklamationen zu beschleunigen. Der eigentliche Gewinn liegt weniger in der Technik als in der veränderten Beziehung zum Lieferanten, weil Auseinandersetzungen nicht mehr auf widersprüchlichen Datenständen beruhen.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Für Handels- und Industrieunternehmen mit vielen Lieferanten zeigt der Fall, dass sich der kaufmännische Streitfallprozess nicht optimieren, sondern in seiner Ursache beseitigen lässt. Wer eigene Zahlen zu Streitfallquote und Klärungsdauer kennt, kann das Einsparpotenzial anhand der von IBM berichteten 65 Prozent grob abschätzen.
Perspektive Mitarbeitende
In Kreditorenbuchhaltung und Lieferantenmanagement verschiebt sich die Arbeit von der Rekonstruktion einzelner Lieferungen aus E-Mails und Belegen hin zur Bearbeitung echter Ausnahmefälle. Beschäftigte im Wareneingang müssen ihre Erfassung sorgfältiger und zeitnaher durchführen, weil die Daten unmittelbar für beide Seiten sichtbar werden.
Vorteile
Allgemein
- Die Zahl der Streitfälle sank nach IBM-Angaben um 65 Prozent.
- Die Klärungsdauer verkürzte sich von Wochen oder Monaten auf wenige Tage.
- Alle Daten, Abweichungen und Entscheidungen bilden eine unveränderbare Prüfhistorie.
- Die Lösung dient als Grundlage für Retouren, Bestandssichtbarkeit und Frachtreklamationen.
B2B — Unternehmen
- Deutlich geringerer Bearbeitungsaufwand in Buchhaltung und Einkauf auf beiden Seiten.
- Stabilere Lieferantenbeziehungen, weil Auseinandersetzungen nicht mehr auf Datenwidersprüchen beruhen.
Mitarbeitende
- Weniger Rekonstruktionsarbeit aus E-Mails und Belegen.
- Klare Entscheidungsgrundlage bei Mengen- und Zustandsabweichungen.
Herausforderungen
Allgemein
- Der Nutzen wächst erst mit der Zahl angebundener Lieferanten.
- Die Warenwirtschaftssysteme beider Seiten müssen an das gemeinsame Register angeschlossen werden.
- Händler und Lieferant müssen sich verbindlich darauf einigen, was als Abweichung gilt.
B2B — Unternehmen
- Kleinere Lieferanten benötigen Unterstützung bei der technischen Anbindung.
Mitarbeitende
- Der Wareneingang muss zeitnaher und sorgfältiger erfassen, weil die Daten sofort für beide Seiten sichtbar sind.
Technologische Grundlage
Die Lösung basiert auf der IBM Blockchain Platform und damit auf Hyperledger Fabric als zugangsbeschränktem Register zwischen Händler und Lieferanten. Ein verteiltes Register ist hier der Kern, weil beide Vertragsparteien denselben Datensatz führen müssen, ohne dass einer von ihnen die Aufzeichnungen des anderen kontrolliert oder nachträglich ändern kann.
Umsetzungsbeispiele
Streitfallklärung zwischen The Home Depot und seinen Lieferanten (The Home Depot, Inc., Einzelhandel)
The Home Depot führt mit IBM ein verteiltes Register, in das Versand-, Wareneingangs- und Empfangsdaten von Händler und Lieferant in Echtzeit einfließen. Beide Seiten sehen dieselben Daten, wodurch Streitfälle über Mengen und Zustand weitgehend entfallen.
Quellen: Faster invoicing resolutions build stronger relationships · Blockchain for invoice reconciliation and dispute resolution
Tags
Lieferkette, Streitfallklärung, Rechnungsabgleich, Hyperledger Fabric, Einzelhandel