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Urkunden fälschungssicher ausstellen

Sektor: Tertiärer Sektor · Branche: Schulen und Hochschulen · Unternehmen: Deutsche Hochschulen · Reifegrad: production

Deutsche Universitäten, Hochschulen und Bildungseinrichtungen setzen Blockchain-Technologie ein, um Abschlussurkunden und Zertifikate als unveränderbare digitale Nachweise zu vergeben. Durch Distributed Ledger Technology können Absolventen ihre Qualifikationen weltweit einfach und sekundenschnell nachweisen, ohne Fälschungsrisiken. Dies erhöht die Vertrauenswürdigkeit von Bildungsnachweisen und erleichtert deren internationale Anerkennung erheblich.

Beschreibung

Blockchain-basierte Zeugnisausstellung ermöglicht es Hochschulen und Bildungseinrichtungen, Abschlussurkunden und Zertifikate als digitale, unveränderliche Dokumente auszustellen, die jederzeit und weltweit überprüft werden können. Statt eines Papierzeugnisses erhält der Absolvent einen digital gesicherten Nachweis, dessen Echtheit von jedem Arbeitgeber oder jeder Behörde innerhalb von Sekunden verifiziert werden kann, ohne bei der Hochschule anfragen zu müssen. Organisationen wie die IHK München, die TH Lübeck und ein Konsortium in NRW haben diesen Ansatz bereits erfolgreich in den Praxisbetrieb überführt.

Die Blockchain-basierte Zeugnisausstellung adressiert ein weit verbreitetes Problem im Bildungsbereich: die aufwendige und fehleranfällige manuelle Überprüfung von Abschlüssen und Zertifikaten. Dabei werden die relevanten Daten eines Zeugnisses – etwa Name, Abschluss und Ausstellungsdatum – kryptografisch gesichert in einer Blockchain gespeichert, sodass nachträgliche Manipulationen technisch ausgeschlossen sind. Die IHK für München und Oberbayern hat im Rahmen der Initiative Cert4Trust gemeinsam mit dem Bayerischen Digitalministerium bis August 2020 mehr als 15.000 elektronische Zeugnis-Abbilder erstellt und in der Blockchain hinterlegt, darunter Zeugnisse der Winter- und Sommerprüfungen 2019/2020. Die TH Lübeck stellte im Rahmen eines vom Bundesbildungsministerium geförderten Projekts in Kooperation mit der Blockchain-Allianz DigiCerts und der Fraunhofer Academy bis April 2020 rund 800 fälschungssichere Zertifikate aus und veröffentlichte ihre Lösung als Open-Source-Software. In Nordrhein-Westfalen entwickelte ein Konsortium aus kommunalen und öffentlichen Rechenzentren eine zugriffsgeschützte, private Blockchain-Lösung für digitale Hochschulzeugnisse und schloss eine entsprechende Testphase mit zwei Hochschulen ab. Das Potenzial in Bayern allein wird auf über 375.000 Zeugnisse und Zertifikate pro Jahr geschätzt, und auf internationaler Ebene arbeiten Organisationen wie die Velocity Network Foundation mit Partnern wie SAP und Oracle an einheitlichen Standards für blockchain-basierte Bildungsnachweise.

Perspektiven

Perspektive B2B — Unternehmen

Für Hochschulen, IHKs, Handwerkskammern und andere Bildungseinrichtungen ermöglicht die Blockchain-Lösung eine drastische Reduktion von Verwaltungsanfragen zur Zeugnisverifizierung, da Arbeitgeber und Behörden Echtheitsprüfungen selbstständig und sekundenschnell durchführen können. Gleichzeitig stärkt die nachweisliche Fälschungssicherheit das institutionelle Ansehen und erleichtert die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen wie des Onlinezugangsgesetzes.

Perspektive B2C — Privatpersonen

Absolventinnen und Absolventen profitieren davon, dass sie ihre Qualifikationen einfach, schnell und weltweit nachweisen können, ohne auf eine physische Urkunde angewiesen zu sein. Dies erleichtert insbesondere internationale Bewerbungen und reduziert bürokratische Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse erheblich.

Perspektive Mitarbeitende

Mitarbeitende in Hochschulverwaltungen und Prüfungsämtern werden durch den Wegfall manueller Echtheitsprüfungsanfragen spürbar entlastet und können sich auf wertschöpfendere Tätigkeiten konzentrieren. Für HR-Fachleute in Unternehmen vereinfacht sich der Bewerbungsprozess, da Zeugnisse nicht mehr physisch oder per Anfrage geprüft werden müssen.

Vorteile

Allgemein

B2B — Unternehmen

B2C — Privatpersonen

Mitarbeitende

Herausforderungen

Allgemein

B2B — Unternehmen

Mitarbeitende

Technologische Grundlage

Die Lösung basiert auf Distributed Ledger Technology (DLT), bei der Zertifikatsdaten als unveränderliche Einträge in einer Blockchain gespeichert werden. Zugriffsgeschützte, private Blockchain-Netzwerke mit mehreren Knoten – wie im NRW-Konsortium eingesetzt – gewährleisten, dass nur autorisierte Institutionen Zertifikate ausstellen können, während jedermann die Echtheit sekundenschnell prüfen kann. Diese Architektur eignet sich besonders, weil sie Unveränderlichkeit, dezentrale Vertrauensanker und die Möglichkeit zur Einbindung mehrerer unabhängiger Institutionen kombiniert.

Umsetzungsbeispiele

Cert4Trust – Blockchain-Zeugnisse der IHK München (IHK für München und Oberbayern, Schulen und Hochschulen)

Die IHK für München und Oberbayern stellte im Rahmen der Initiative Cert4Trust gemeinsam mit dem Bayerischen Digitalministerium, der Handwerkskammer München und der Landeshauptstadt München blockchain-gesicherte elektronische Zeugnisse für ihre Absolventen aus. Bis August 2020 wurden mehr als 15.000 elektronische Zeugnis-Abbilder erstellt und in der Blockchain hinterlegt.

Quellen: IHK München als Vorreiter – Blockchain für fälschungssichere Zeugnisse · Blockchain sichert Zeugnisse gegen Betrug und Fälschung

Tags

Digitale Zertifikate, Fälschungsschutz, Bildungsnachweise, Distributed Ledger, Verwaltungsdigitalisierung, Open Source, Verifikation

Quellen

  1. IHK München als Vorreiter – Blockchain für fälschungssichere Zeugnisse — Blockchain Bayern, Artikel
  2. Bewerbung via Blockchain: Warum digitale Zeugnisse bald Alltag werden könnten — WirtschaftsWoche, Artikel
  3. Blockchain-basiertes Urkundenmanagement — Bildungsspiegel, Artikel
  4. Whitepaper Digitales Zeugnis — MHKBD NRW, Whitepaper
  5. Blockchain-Zertifikate – Das Ende der Papierzeugnisse — Agora Nachhilfe, Artikel
  6. Blockchain sichert Zeugnisse gegen Betrug und Fälschung — wipage, Artikel
  7. IfIS-Ausgründung TrustCerts sorgt künftig für fälschungssichere Zeugnisse — Norbert Pohlmann, Pressemitteilung
  8. Examenszeugnisse: Wie die Blockchain bei der Echtheitsprüfung helfen kann — JUVE, Artikel