Neue Lieferanten in Tagen statt Monaten freischalten
Sektor: Tertiärer Sektor · Branche: Unternehmensberatung · Unternehmen: Chainyard · Reifegrad: production
Chainyard und IBM betreiben mit Trust Your Supplier ein Netzwerk auf Hyperledger Fabric, in dem jeder Lieferant einen digitalen Pass mit seinen Nachweisen führt. Gründungsteilnehmer wie AB InBev, Cisco, GlaxoSmithKline, Lenovo, Nokia, Schneider Electric und Vodafone greifen als berechtigte Einkäufer darauf zu, statt jeden Lieferanten erneut selbst zu prüfen. Nach Angaben der Hyperledger Foundation sank die Onboarding-Dauer von durchschnittlich 60 auf 3 Tage, und die Kosten für Prüfung und Pflege der Lieferantendaten fielen um rund 50 Prozent.
Beschreibung
Chainyard und IBM betreiben mit Trust Your Supplier ein Netzwerk, in dem jeder Lieferant seine Nachweise in einem digitalen Pass führt und berechtigten Einkäufern freigibt. Bisher prüft jedes Unternehmen denselben Lieferanten erneut auf Firmendaten, Zertifikate, Versicherungsnachweise, Sanktionslisten sowie Nachhaltigkeits- und Finanzratings, während der Lieferant für jeden Kunden inhaltsgleiche Fragebögen ausfüllt. Über das gemeinsame Register entfällt diese Mehrfacharbeit, und Änderungen werden für alle berechtigten Abnehmer unmittelbar sichtbar.
Das Netzwerk startete im August 2019 mit AB InBev, Cisco, GlaxoSmithKline, Lenovo, Nokia, Schneider Electric und Vodafone als Gründungsteilnehmern. Technische Grundlage ist Hyperledger Fabric, bereitgestellt über die IBM Blockchain Platform, in der für jeden Lieferanten ein digitaler Pass als eindeutige, überprüfbare Identität geführt wird. Mehrere unabhängige Verifizierer sind eingebunden: Dun & Bradstreet bestätigt Firmendaten, EcoVadis bewertet Nachhaltigkeit und RapidRatings das finanzielle Risiko, sodass die hinterlegten Attribute nicht auf Selbstauskunft beruhen. Der Lieferant pflegt seine Nachweise einmal und entscheidet, welcher Einkäufer sie einsehen darf; eine Aktualisierung ist damit sofort für alle berechtigten Abnehmer gültig. Nach Angaben der Hyperledger Foundation sank die durchschnittliche Onboarding-Dauer dadurch von 60 auf 3 Tage, und die Kosten für Verifizierung und Pflege der Lieferantendaten fielen auf Einkäuferseite um rund 50 Prozent. Der Fall zeigt, dass sich ein branchenweit wiederholter Verwaltungsprozess durch ein geteiltes Nachweisnetz weitgehend entkoppeln lässt.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Für Unternehmen mit großem Lieferantenkreis ist der Hebel unmittelbar quantifizierbar: Wer heute rund 60 Tage für das Onboarding benötigt, kann das gegen die berichteten 3 Tage und die halbierten Prüfkosten rechnen. Zugleich verbessert sich die Grundlage für gesetzliche Sorgfaltspflichten, weil Nachhaltigkeits- und Finanzrisikobewertungen als verifizierte Attribute vorliegen.
Perspektive Mitarbeitende
Im Einkauf verschiebt sich die Arbeit von der wiederholten Stammdatenerfassung hin zur Risikobewertung und Lieferantenentwicklung. Compliance-Funktionen erhalten eine belastbarere Grundlage für Sorgfaltsprüfungen, müssen aber bewerten, wie weit sie sich auf die Bestätigungen der Drittverifizierer stützen.
Vorteile
Allgemein
- Die Onboarding-Dauer sank nach Angaben der Hyperledger Foundation von durchschnittlich 60 auf 3 Tage.
- Die Kosten für Verifizierung und Pflege der Lieferantendaten fielen um rund 50 Prozent.
- Unabhängige Verifizierer bestätigen Attribute, sodass sie nicht auf Selbstauskunft beruhen.
- Änderungen sind sofort für alle berechtigten Abnehmer sichtbar.
B2B — Unternehmen
- Deutlich verkürzte Time-to-Contract bei neuen Lieferanten.
- Bessere Grundlage für gesetzliche Sorgfaltspflichten in der Lieferkette.
Mitarbeitende
- Wegfall wiederholter Stammdatenerfassung und Fragebogenbearbeitung.
- Mehr Zeit für Risikobewertung und Lieferantenentwicklung.
Herausforderungen
Allgemein
- Der Nutzen hängt davon ab, dass genügend Einkäufer und Lieferanten im Netzwerk vertreten sind.
- Unternehmen müssen entscheiden, wie weit sie sich auf die Bestätigungen der Drittverifizierer verlassen.
- Die Anbindung an die bestehenden Beschaffungssysteme der Einkäufer verursacht Integrationsaufwand.
B2B — Unternehmen
- Kleine Lieferanten benötigen Unterstützung, um ihren digitalen Pass zu pflegen.
Mitarbeitende
- Compliance-Funktionen müssen ihre Prüftiefe an die verifizierten Attribute anpassen.
Technologische Grundlage
Trust Your Supplier läuft auf Hyperledger Fabric, bereitgestellt über die IBM Blockchain Platform, und führt für jeden Lieferanten einen digitalen Pass als eindeutige, überprüfbare Identität. Ein verteiltes Register ist hier die passende Grundlage, weil mehrere konkurrierende Einkäufer denselben Nachweisen vertrauen sollen, ohne dass einer von ihnen die Stammdatenhoheit über den gemeinsamen Lieferantenkreis erhält.
Umsetzungsbeispiele
Trust Your Supplier als geteiltes Nachweisnetz im Einkauf (Chainyard, Unternehmensberatung)
Chainyard betreibt gemeinsam mit IBM ein Netzwerk auf Hyperledger Fabric, in dem jeder Lieferant einen digitalen Pass mit verifizierten Nachweisen führt. Einkäufer wie AB InBev, Cisco, GlaxoSmithKline, Lenovo, Nokia, Schneider Electric und Vodafone greifen darauf zu.
Quellen: ChainYard and IBM reduce new vendor risk & drastically cut onboarding from 60 to 3 days with Hyperledger Fabric · IBM, Chainyard unveil blockchain-based 'Trust Your Supplier' network · Chainyard and IBM Launch Trust Your Supplier Network · Trust Your Supplier: a case study in faster, more secure vendor onboarding through blockchain
Tags
Lieferantenmanagement, Einkauf, Digitale Identität, Hyperledger Fabric, Compliance, Stammdaten
Quellen
- ChainYard and IBM reduce new vendor risk & drastically cut onboarding from 60 to 3 days with Hyperledger Fabric — LF Decentralized Trust (Hyperledger Foundation), Studie
- IBM, Chainyard unveil blockchain-based 'Trust Your Supplier' network — Computerworld, Artikel
- Chainyard and IBM Launch Trust Your Supplier Network — Chainyard, Pressemitteilung
- Trust Your Supplier: a case study in faster, more secure vendor onboarding through blockchain — LF Decentralized Trust (Hyperledger Foundation), Studie