Materialherkunft digital nachweisen
Sektor: Sekundärer Sektor · Branche: Glas und Keramikindustrie · Unternehmen: RHI Magnesita · Reifegrad: pilot
RHI Magnesita nutzt Blockchain, um die Herkunft und den Weg von Rohstoffen entlang der Lieferkette nachvollziehbar zu dokumentieren. Der Ansatz basiert auf einer verteilten Ledger-Technologie, die Daten fälschungssicher speichert und Transparenz für Kunden und interne Prüfprozesse schafft. Als globaler Marktführer für Feuerfestlösungen setzt das Unternehmen damit ein Zeichen für mehr Rückverfolgbarkeit in materialintensiven Industrien.
Beschreibung
Blockchain-Technologie ermöglicht es Unternehmen wie RHI Magnesita, den gesamten Weg eines Rohstoffs – vom Abbau über die Verarbeitung bis zum fertigen Produkt – digital und fälschungssicher zu dokumentieren. Jeder Schritt in der Lieferkette wird als unveränderlicher Datensatz auf einer gemeinsamen Plattform gespeichert, auf die alle autorisierten Partner zugreifen können. Dies schafft eine bisher nicht dagewesene Transparenz, die sowohl interne Prüfprozesse vereinfacht als auch Kunden und Regulatoren gegenüber belastbare Herkunftsnachweise liefert. Der Ansatz ist besonders relevant für Industrien, in denen Rohstoffqualität, ethischer Abbau und regulatorische Anforderungen eine zentrale Rolle spielen.
RHI Magnesita, globaler Marktführer für Feuerfestlösungen, kontrolliert die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt und beliefert unter anderem die Stahl-, Glas- und Keramikindustrie. Um die Transparenz dieser komplexen Lieferkette zu erhöhen, hat das Unternehmen eine Blockchain-Plattform eingeführt, die die Rückverfolgbarkeit von Produkten und Rohstoffen digital absichert. Konkret belegt ist eine Kooperation mit dem brasilianischen Stahlkonzern Gerdau, bei der eine Blockchain-Plattform an einem Standort in Minas Gerais, Brasilien, in Betrieb genommen wurde, um Feuerfestmaterialien in der Lieferkette zurückzuverfolgen. RHI Magnesita und Gerdau beschreiben sich dabei als Vorreiter in der Nutzung von Blockchain in der Stahlindustrie, wobei Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Datensicherheit als zentrale Vorteile hervorgehoben werden. Die Plattform wurde zunächst exklusiv an diesem einen Standort eingesetzt, mit der formulierten Absicht, die Nutzung von dort aus auszuweiten. Konkrete technische Details zum eingesetzten Blockchain-System sowie messbare Kennzahlen zu Effizienz- oder Kostenverbesserungen sind öffentlich nicht dokumentiert. Der Use Case zeigt dennoch exemplarisch, wie Hersteller in materialintensiven Industrien Blockchain nutzen können, um Lieferkettenversprechen digital zu untermauern.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Für Geschäftskunden in der Stahl-, Glas- und Keramikindustrie bietet die Blockchain-basierte Rückverfolgbarkeit von RHI Magnesita den direkten Vorteil, dass Herkunfts- und Qualitätsnachweise für eingekaufte Feuerfestmaterialien jederzeit überprüfbar und manipulationssicher vorliegen. Dies erleichtert Audits, Compliance-Nachweise und die eigene Lieferantenqualifizierung erheblich und stärkt das Vertrauen in langfristige Lieferbeziehungen.
Perspektive Mitarbeitende
Mitarbeitende in Einkauf, Qualitätssicherung und Compliance profitieren von automatisierten, plattformgestützten Dokumentationsprozessen, die manuelle Aufwände bei der Herkunftsprüfung reduzieren. Gleichzeitig erfordert die neue Technologie den Aufbau digitaler Kompetenzen und eine Bereitschaft zur Anpassung etablierter Arbeitsabläufe an datengetriebene Prozesse.
Vorteile
Allgemein
- Fälschungssichere, lückenlose Dokumentation der Rohstoffherkunft entlang der gesamten Lieferkette
- Erhöhte Transparenz und Nachvollziehbarkeit für alle beteiligten Partner
- Vereinfachung von Audits und Compliance-Nachweisen durch digital verfügbare Daten
- Stärkung des Vertrauens bei Geschäftskunden und Regulatoren
B2B — Unternehmen
- Belastbare Herkunftsnachweise als Wettbewerbsvorteil gegenüber Kunden mit hohen Compliance-Anforderungen
- Reduzierung von Risiken durch transparente und überprüfbare Lieferkettendaten
- Grundlage für vertrauensbasierte, langfristige Geschäftsbeziehungen mit Partnern
Mitarbeitende
- Reduktion manueller Dokumentationsaufwände durch automatisierte Datenprozesse
- Klarere Datenbasis für Entscheidungen in Einkauf und Qualitätssicherung
Herausforderungen
Allgemein
- Integration der Blockchain-Plattform in bestehende ERP- und Produktionssysteme aller beteiligten Partner ist technisch aufwendig
- Akzeptanz und aktive Datenpflege durch alle Lieferkettenpartner ist Voraussetzung für den Mehrwert der Lösung
- Fehlende öffentliche Kennzahlen erschweren die Bewertung des tatsächlichen Nutzens für potenzielle Nachahmer
B2B — Unternehmen
- Onboarding von Lieferanten und Kunden auf die gemeinsame Plattform erfordert erheblichen Koordinationsaufwand
- Datenschutz- und Vertraulichkeitsanforderungen müssen bei der Plattformgestaltung sorgfältig berücksichtigt werden
Mitarbeitende
- Aufbau neuer digitaler Kompetenzen im Umgang mit Blockchain-Plattformen ist notwendig
- Veränderung etablierter Arbeitsprozesse kann auf interne Widerstände stoßen
Technologische Grundlage
Der Use Case basiert auf einer Blockchain-Plattform, die nach dem Prinzip eines verteilten Ledgers (Distributed Ledger Technology) funktioniert. Dabei werden Daten zu Rohstoffherkunft und Lieferkettenschritten unveränderlich und für alle autorisierten Teilnehmer nachvollziehbar gespeichert. Eine Permissioned Blockchain eignet sich für diesen Anwendungsfall besonders, da sie kontrollierten Zugang für definierte Unternehmenspartner ermöglicht und gleichzeitig die Integrität der gespeicherten Lieferkettendaten gewährleistet. Der konkrete technologische Stack von RHI Magnesita ist öffentlich nicht dokumentiert.
Umsetzungsbeispiele
Blockchain-Pilotprojekt zur Rückverfolgung von Feuerfestmaterialien mit Gerdau (RHI Magnesita, Glas und Keramikindustrie)
RHI Magnesita und der brasilianische Stahlkonzern Gerdau haben gemeinsam eine Blockchain-Plattform eingeführt, um Feuerfestmaterialien in der Lieferkette digital zurückzuverfolgen. Die Plattform wurde an einem Gerdau-Standort in Minas Gerais, Brasilien, in Betrieb genommen und soll als Ausgangspunkt für eine erweiterte Nutzung dienen.
Quellen: RHI Magnesita und Gerdau als Vorreiter in der Nutzung von Blockchain in der Stahlindustrie
Tags
Lieferkette, Rückverfolgbarkeit, Rohstoffe, Distributed Ledger, Feuerfestmaterialien, Transparenz, Compliance
Quellen
- RHI Magnesita – Blockchain-Initiative mit Gerdau zur Lieferkettentransparenz — RHI Magnesita, Pressemitteilung
- RHI Magnesita – Unternehmensprofil, Branchen und Produkte — RHI Magnesita, Artikel