Fischfang transparent abrechnen mit Blockchain
Sektor: Primärer Sektor · Branche: Fischerei · Unternehmen: SiLKe · Reifegrad: pilot
SiLKe digitalisiert die Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittel- und Fischlieferkette und nutzt dafür Smart Contracts auf einer Blockchain-Plattform. Beteiligte Akteure können Fang-, Kontroll- und Lieferdaten fälschungssicher erfassen und Abläufe entlang der Kette automatisiert dokumentieren. Das Forschungsprojekt wurde vom 01.06.2019 bis 31.08.2022 durchgeführt und mündete in einen funktionsfähigen Demonstrator.
Beschreibung
Das Projekt SiLKe – "Sichere Lebensmittelkette durch Anwendung der Blockchain-Technologie" – wurde als öffentlich gefördertes Forschungsverbundprojekt im Rahmen der deutschen Sicherheitsforschungsförderung (SiFo) von Juni 2019 bis August 2022 durchgeführt. Ziel war es, mithilfe von Blockchain und Smart Contracts eine IT-Lösung zu entwickeln, die eine lückenlose und fälschungssichere Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln – darunter auch Fischprodukte – entlang der gesamten Lieferkette ermöglicht. Am Ende des Projekts stand ein funktionsfähiger Demonstrator, der zeigt, wie die SiLKe-Lösung Transparenz, Fälschungssicherheit und gezieltere Rückrufaktionen in der Praxis unterstützen kann.
SiLKe steht für "Sichere Lebensmittelkette durch Anwendung der Blockchain-Technologie" und war ein Forschungsverbundprojekt, das von Juni 2019 bis August 2022 lief und an dem unter anderem das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) und die Hochschule Niederrhein beteiligt waren. Im Projektverlauf wurden zunächst Anforderungen aller Beteiligten aufgenommen, eine Gesamtarchitektur modelliert und ein Pflichtenheft erarbeitet; anschließend wurde ein Blockchain-Netzwerk für konkrete Lebensmittel-Anwendungsfälle implementiert und mit spezialisierten Applikationen zur Visualisierung und Analyse der Ketteninformationen ergänzt. Die Blockchain-Lösung setzt darauf, dass keine zentrale "dritte Instanz" benötigt wird, was Fälschungen deutlich erschwert und das gegenseitige Vertrauen zwischen den Kettengliedern stärkt. Konkret kann die Lösung auf Anwendungsfälle wie die Dokumentation von Fangdaten in der Fischerei übertragen werden, wo Herkunft, Fangmenge und Weitergabe fälschungssicher erfasst und für alle berechtigten Akteure einsehbar gemacht werden. Das Projekt schloss mit einem Demonstrator ab, der die Potenziale der Lösung veranschaulicht; ein Nachweis eines großflächigen produktiven Einsatzes in der Fischereiwirtschaft liegt jedoch nicht vor.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Für Unternehmen entlang der Fischerei- und Lebensmittellieferkette bietet SiLKe die Möglichkeit, Daten über Fang, Verarbeitung und Lieferung automatisiert und fälschungssicher zu dokumentieren, ohne auf eine zentrale Plattform angewiesen zu sein. Dies erleichtert die Einhaltung gesetzlicher Rückverfolgbarkeitspflichten und ermöglicht bei Rückrufen eine gezielte und damit kostengünstigere Reaktion statt pauschaler Produktrücknahmen.
Perspektive B2C — Privatpersonen
Verbraucherinnen und Verbraucher können durch die erhöhte Transparenz in der Fischlieferkette darauf vertrauen, dass Herkunfts- und Fangangaben auf Fischprodukten nachweisbar und nicht gefälscht sind. Mittelbar stärkt dies das Vertrauen in die Lebensmittelsicherheit und unterstützt den Kauf von nachhaltig gehandelten Fischprodukten.
Perspektive Mitarbeitende
Mitarbeitende in Fischerei, Logistik und Qualitätskontrolle müssen neue digitale Erfassungsprozesse in ihren Arbeitsalltag integrieren und sich mit den Anforderungen des Blockchain-Netzwerks vertraut machen. Gleichzeitig können repetitive, manuelle Dokumentationsaufgaben durch die automatisierte Erfassung via Smart Contract reduziert werden, was den Fokus auf höherwertige Kontrolltätigkeiten lenkt.
Vorteile
Allgemein
- Lückenlose und fälschungssichere Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten entlang der gesamten Lieferkette
- Beschleunigte und gezieltere Rückrufaktionen bei Lebensmittelproblemen durch klare Chargenidentifikation
- Stärkung des Vertrauens der Bevölkerung in die Sicherheit und Herkunft von Lebensmitteln
- Dezentrale Architektur ohne zentrale Vertrauensinstanz reduziert Manipulationsrisiken
B2B — Unternehmen
- Vereinfachte Einhaltung gesetzlicher Rückverfolgbarkeitspflichten durch automatisierte Dokumentation
- Reduktion wirtschaftlicher Schäden durch präzisere, weniger pauschale Produktrückrufe
- Transparenz gegenüber Handelspartnern und Behörden ohne zusätzlichen manuellen Aufwand
B2C — Privatpersonen
- Nachweisbare Herkunftsangaben erhöhen das Vertrauen in die Qualität von Fischprodukten
Mitarbeitende
- Automatisierte Dokumentation via Smart Contract entlastet Mitarbeitende bei repetitiven Erfassungsaufgaben
- Klare digitale Prozesse verbessern die Nachvollziehbarkeit von Verantwortlichkeiten im Arbeitsalltag
Herausforderungen
Allgemein
- Die Bereitschaft aller Lieferkettenakteure zur Teilnahme am Blockchain-Netzwerk ist Voraussetzung für die Wirksamkeit des Systems.
- Komplexe technische Implementierung und fehlende Standardisierung bei Blockchain-Lösungen im Lebensmittelbereich erschweren den Einstieg.
- Die konkrete Überführung vom Forschungsdemonstrator in einen produktiven Betrieb in der Fischereiwirtschaft ist bislang nicht belegt.
B2B — Unternehmen
- Die Integration bestehender IT-Systeme und Datenschnittstellen verschiedener Akteure erfordert erheblichen Abstimmungsaufwand.
- Ungeklärte Fragen zu Datenzuständigkeit, Zugriffsrechten und Datenschutz im Konsortium können die Umsetzung verzögern.
Mitarbeitende
- Mitarbeitende müssen für neue digitale Erfassungsprozesse geschult werden, was initial Zeit und Ressourcen bindet.
Technologische Grundlage
Das Projekt SiLKe setzt auf Blockchain-Technologie mit Smart Contracts, um Lebensmittellieferketten ohne zentrale Instanz abzusichern. Die dezentrale Architektur macht Datenfälschungen nachweisbar und ermöglicht eine lückenlose, automatisierte Dokumentation entlang der gesamten Lieferkette. Die konkrete Blockchain-Plattform (z.B. Hyperledger Fabric, Ethereum oder eine eigene Lösung) wurde in den öffentlich zugänglichen Projektmaterialien nicht spezifiziert.
Umsetzungsbeispiele
SiLKe – Demonstrator für Blockchain-gestützte Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittel- und Fischlieferkette (SiLKe (Forschungskonsortium mit Fraunhofer FIT und Hochschule Niederrhein), Fischerei)
Das Forschungsverbundprojekt SiLKe entwickelte von 2019 bis 2022 einen Demonstrator, der zeigt, wie Blockchain-Technologie mit Smart Contracts eine fälschungssichere und lückenlose Rückverfolgbarkeit in Lebensmittel- und Fischlieferketten ermöglichen kann. Das Konsortium aus Wissenschaft und Industrie erarbeitete dabei Gesamtarchitektur, Blockchain-Netzwerk und Visualisierungsapplikationen.
Quellen: SiLKe Projektseite · Fraunhofer FIT – Projektbeschreibung SiLKe · Kurzbericht SiLKe (TIB) · Rückverfolgbarkeit durch Blockchain – Frischelogistik · Mit der Blockchain-Technologie Lebensmittel besser rückverfolgen
Tags
Lieferkette, Smart Contract, Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelsicherheit, Fälschungsschutz, Forschungsprojekt
Quellen
- SiLKe Projektseite — SiLKe-Konsortium, Artikel
- Fraunhofer FIT – Projektbeschreibung SiLKe — Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, Artikel
- Kurzbericht SiLKe (TIB) — SiLKe-Konsortium, Whitepaper
- Rückverfolgbarkeit durch Blockchain – Frischelogistik — Frischelogistik Redaktion, Artikel
- Mit der Blockchain-Technologie Lebensmittel besser rückverfolgen — Hochschule Niederrhein / Redaktion unglaublich-wichtig.de, Artikel