Aufträge zwischen Abfüllern ohne wochenlange Abstimmung ausgleichen
Sektor: Sekundärer Sektor · Branche: Lebensmittel und Getränkeindustrie · Unternehmen: CONA Services LLC · Reifegrad: production
Die CONA Services LLC, der gemeinsame IT-Dienstleister der zwölf größten nordamerikanischen Coca-Cola-Abfüller, führt unternehmensübergreifende Aufträge auf einem Register auf Basis von Hyperledger Fabric über die SAP-Plattform. Die Abfüller sind rechtlich eigenständige Franchisenehmer mit eigenen ERP-Systemen, weshalb der Abgleich offener Aufträge untereinander rund 50 Tage dauerte und Kapital im Prozess band. In der Ausbaustufe Coca-Cola Bottling Harbor synchronisieren Provide Technologies und Unibright die ERP-Systeme zusätzlich über das Baseline Protocol auf dem öffentlichen Ethereum-Netz, ohne Geschäftsdaten offenzulegen.
Beschreibung
Die CONA Services LLC, der gemeinsame IT-Dienstleister der zwölf größten nordamerikanischen Coca-Cola-Abfüller, führt unternehmensübergreifende Aufträge auf einem verteilten Register. Die Abfüller sind rechtlich eigenständige Franchisenehmer, die untereinander Aufträge austauschen, wenn ein Werk für ein anderes produziert, dabei aber jeweils ein eigenes ERP-System betreiben. Der Abgleich offener Aufträge zwischen den Unternehmen dauerte auf diesem Weg rund 50 Tage und band entsprechend Kapital im Prozess.
Im Jahr 2019 nahmen die ersten nordamerikanischen Coca-Cola-Abfüller ein Register auf Basis von Hyperledger Fabric in Betrieb, das auf der Blockchain-as-a-Service-Plattform von SAP läuft. Betreiber ist CONA Services, der gemeinsame IT-Dienstleister der zwölf größten Abfüller, was die entscheidende Voraussetzung schafft: Kein einzelner Franchisenehmer hostet die Daten der anderen. Ziel und Nachweis des Vorhabens ist die Verkürzung der Auftragsabstimmung von rund 50 Tagen auf wenige Tage, was Produktivität, Kostenstruktur und Zahlungsfluss zwischen den Franchisenehmern verbessert. In einer zweiten Ausbaustufe entwickelte CONA gemeinsam mit Provide Technologies und Unibright den sogenannten Coca-Cola Bottling Harbor, der auf dem Baseline Protocol aufsetzt. Dieses Verfahren gleicht die ERP-Systeme der Beteiligten über das öffentliche Ethereum-Netz ab, ohne dass Geschäftsdaten dort offengelegt werden, und macht den Ansatz damit auch für Partner außerhalb des internen Netzwerks anschlussfähig. Der Fall ist ein Referenzbeispiel dafür, dass ein verteiltes Register nicht nur Rückverfolgung, sondern auch die kaufmännische Abstimmung zwischen eigenständigen Unternehmen tragen kann.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Für Verbundstrukturen mit rechtlich getrennten Einheiten, etwa Franchisesysteme, Genossenschaften oder Joint Ventures, zeigt CONA ein Muster, das ohne zentrale Konzernsteuerung auskommt. Unternehmen mit langen Abstimmungszyklen zwischen Schwestergesellschaften können daran abschätzen, wie viel Kapitalbindung sich durch einen gemeinsamen Auftragsstand lösen lässt.
Perspektive Mitarbeitende
In Auftragsabwicklung und Buchhaltung entfällt ein erheblicher Teil der bilateralen Klärung zwischen den Unternehmen, während Aufgaben in der Datenqualität und der Schnittstellenpflege wachsen. IT-Rollen verantworten zusätzlich die Anbindung eigenständiger ERP-Systeme an ein gemeinsames Register.
Vorteile
Allgemein
- Die Auftragsabstimmung zwischen den Abfüllern verkürzt sich von rund 50 Tagen auf wenige Tage.
- Kein einzelner Franchisenehmer hostet die Daten der anderen, weil ein gemeinsamer IT-Dienstleister betreibt.
- Die Baseline-Erweiterung gleicht ERP-Systeme über ein öffentliches Netz ab, ohne Geschäftsdaten offenzulegen.
- Der schnellere Abgleich beschleunigt den Zahlungsfluss zwischen den Franchisenehmern.
B2B — Unternehmen
- Geringere Kapitalbindung durch kürzere Abstimmungszyklen.
- Ein übertragbares Muster für Franchisesysteme, Genossenschaften und Joint Ventures.
Mitarbeitende
- Deutlich weniger bilaterale Klärung zwischen den beteiligten Unternehmen.
- Ein gemeinsamer Arbeitsstand statt widersprüchlicher ERP-Auszüge.
Herausforderungen
Allgemein
- Die Anbindung eigenständiger ERP-Systeme mehrerer Unternehmen ist technisch aufwendig.
- Die beteiligten Unternehmen müssen sich einigen, welche Auftragsdaten geteilt und welche vertraulich bleiben.
- Das Modell setzt einen neutralen Betreiber voraus, dem alle Partner gleichermaßen vertrauen.
B2B — Unternehmen
- Ohne gemeinsamen IT-Dienstleister wäre die Betreiberfrage zwischen konkurrierenden Franchisenehmern schwer zu lösen.
Mitarbeitende
- Datenqualität und Schnittstellenpflege werden zu dauerhaften Aufgaben.
Technologische Grundlage
Die erste Ausbaustufe nutzt Hyperledger Fabric als zugangsbeschränktes Register auf der Blockchain-as-a-Service-Plattform von SAP; die Erweiterung setzt auf das Baseline Protocol, das ERP-Systeme über das öffentliche Ethereum-Netz abgleicht, ohne Geschäftsdaten offenzulegen. Ein verteiltes Register ist hier der Kern, weil zwölf rechtlich eigenständige Franchisenehmer denselben Auftragsbestand führen müssen, ohne dass einer von ihnen die Daten der anderen hostet.
Umsetzungsbeispiele
Coca-Cola Bottling Harbor der nordamerikanischen Abfüller (CONA Services LLC, Lebensmittel und Getränkeindustrie)
CONA Services führt als gemeinsamer IT-Dienstleister der zwölf größten nordamerikanischen Coca-Cola-Abfüller deren unternehmensübergreifende Aufträge auf einem Register auf Hyperledger Fabric. Die Ausbaustufe Bottling Harbor synchronisiert ERP-Systeme über das Baseline Protocol.
Quellen: Coca-Cola bottlers adopt SAP blockchain for supply chain · How Coca-Cola Bottling is putting suppliers on the blockchain · Baselining the North America Coca-Cola Bottling Supply Chain
Tags
Auftragsabgleich, Franchise, Hyperledger Fabric, Baseline Protocol, ERP-Integration, Working Capital
Quellen
- Coca-Cola bottlers adopt SAP blockchain for supply chain — Ledger Insights, Artikel
- How Coca-Cola Bottling is putting suppliers on the blockchain — CTMfile, Artikel
- Baselining the North America Coca-Cola Bottling Supply Chain — Provide Technologies, Whitepaper