Nachhaltige Rohstoffe lückenlos bilanzieren
Sektor: Sekundärer Sektor · Branche: Chemische Industrie · Unternehmen: ISCC, Circularise · Reifegrad: pilot
ISCC und Circularise haben mit 10 Unternehmen ein Blockchain-System pilotiert, das die Massenbilanz-Zertifizierung nachhaltiger Materialien in der chemischen Industrie verbessert. Das System nutzt öffentliche Blockchain-Technologie mit Smart Contracts zur manipulationssicheren Speicherung von Materialflüssen und automatisierten Regelprüfung. Das Pilotprojekt wurde 2022 erfolgreich abgeschlossen und demonstrierte die praktische Anwendbarkeit für globale Lieferketten von Biokraftstoffen bis zu Haushaltsgeräten.
Beschreibung
ISCC Plus ist ein Chain-of-Custody-Zertifizierungsschema für biogene und zirkuläre Chemikalien und Kunststoffe. Das Massenbilanz-Prinzip erlaubt es, nachhaltige Rohstoffe in bestehenden Produktionsprozessen einzumischen und den Nachhaltigkeitsanteil über die Lieferkette weiterzugeben — ohne physische Trennung. Circularise nutzte eine öffentliche Blockchain (nicht eine private Konsortium-Blockchain), wodurch es für Unternehmen nahezu unmöglich wird, Nachhaltigkeitsnachweise mehrfach zu verwenden. Mesbah Sabur, Gründer Circularise: "Jetzt müssen Unternehmen ihr Guthaben nicht mehr individuell in Excel-Tabellen führen."
Am 13. September 2022 veröffentlichte Circularise erstmals das Ergebnis eines Pilotprojekts mit ISCC Plus und 10 Unternehmen: Neste, Asahi Kasei, Borealis, Trinseo und Shell als Materiallieferanten; Arcelik, Philips Domestic Appliances und EVBox als OEMs und Marken; Marubeni und Itochu als Handelsunternehmen. Das Projekt wurde von Circularise und Marubeni initiiert. Technisch: Massenbilanz-Guthaben werden via Smart Contracts auf einer öffentlichen Blockchain geführt — statt in Excel-Tabellen bei jedem einzelnen Akteur. Jede Transaktion ist vollständig nachvollziehbar; Auditoren können direkt auf die Blockchain zugreifen. Die Nutzung einer öffentlichen statt privaten Blockchain ist bewusst: Sie macht es nahezu unmöglich, Nachhaltigkeitsnachweise wiederzuverwenden. Ergebnis laut Projektbericht: Teilnehmende konnten Wissen vertiefen, interne Prozesse auf ISCC-Plus-Anforderungen ausrichten und Massenbilanzkredite einfach unternehmensübergreifend teilen. Jan Henke, ISCC: "Zertifizierung wird in Zukunft digitaler werden. Das ermöglicht es Zertifizierungsschemas, den Auditing-Prozess zu vereinfachen und das Fehlerrisiko zu reduzieren."
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Chemie- und Kunststoffunternehmen mit ISCC-Plus-Zertifizierung können Massenbilanz-Guthaben digital weitergeben, ohne eigene Excel-Buchführung. Nachgelagerte Kunden wie Borealis oder EVBox erhalten direkte Sichtbarkeit auf die Nachhaltigkeitsnachweise ihrer Lieferanten.
Perspektive B2C — Privatpersonen
Endverbraucher erhalten durch die verbesserte Transparenz zuverlässigere Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten wie Haushaltsgeräten oder Kraftstoffen. Die Blockchain-Technologie ermöglicht eine lückenlose Nachverfolgung nachhaltiger Materialien bis zum Endprodukt.
Perspektive Mitarbeitende
Nachhaltigkeits- und Compliance-Teams werden von manueller Excel-Massenbilanzführung und aufwendiger Dokumentationsübermittlung an Lieferkettenmitglieder entlastet — durch automatisierte Smart-Contract-basierte Buchführung.
Vorteile
Allgemein
- Die Automatisierung von Massenbilanz-Regeln durch Smart Contracts reduziert manuelle Fehler und beschleunigt Auditprozesse erheblich.
- Manipulationssichere Datenspeicherung erhöht das Vertrauen in Nachhaltigkeitszertifizierungen und stärkt die Marktposition.
- Standardisierte Datenformate verbessern die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren in der Lieferkette.
B2B — Unternehmen
- Unternehmen können durch effizientere Audits und reduzierte Compliance-Kosten ihre Profitabilität steigern.
Mitarbeitende
- Fachkräfte können sich auf strategische Nachhaltigkeitsanalysen konzentrieren statt auf zeitaufwändige manuelle Datenprüfungen.
Herausforderungen
Allgemein
- Eine der größten Herausforderungen ist das Bewusstsein und Verständnis für Massenbilanzierung in der Kunststoff- und Chemieindustrie.
- Die Integration mit bestehenden ERP-Systemen und Zertifizierungsplattformen erfordert erhebliche technische Expertise und Investitionen.
B2B — Unternehmen
- Unternehmen müssen ihre internen Prozesse an ISCC Plus-Standards anpassen und alle Lieferkettenpartner zur Teilnahme bewegen.
Mitarbeitende
- Mitarbeiter benötigen Schulungen sowohl in Blockchain-Technologie als auch in den spezifischen Anforderungen der Massenbilanz-Zertifizierung.
Technologische Grundlage
Das System basiert auf einer öffentlichen Blockchain mit der Circularise-Software-Plattform, die Authentifizierung, Dezentralisierung und Verschlüsselung von Daten zu Materialflüssen ermöglicht. Smart Contracts automatisieren die Speicherung von Bilanzen, Aufzeichnung von Transaktionen und Anwendung von Massenbilanz-Regeln, wodurch manuelle Prüfungen reduziert und Auditprozesse vereinfacht werden.
Umsetzungsbeispiele
ISCC-Circularise Blockchain-Pilotprojekt (Neste, Shell, Asahi Kasei, Philips, Chemische Industrie)
10 Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette testeten gemeinsam ein Blockchain-System zur Ergänzung der ISCC Plus-Massenbilanz-Zertifizierung.
Quellen: ISCC and Circularise pilot blockchain technology
Tags
Massenbilanzierung, Nachhaltigkeitszertifizierung, Lieferkettentransparenz, Smart Contracts, ISCC Plus
Quellen
- ISCC and Circularise pilot blockchain technology — Circularise, Pressemitteilung
- ISCC and Circularise pilot blockchain technology with 10 companies — Neste, Pressemitteilung
- Circularise leads value chain collaboration on public blockchain — Packaging Europe, Artikel