Zollabfertigung digital beschleunigen
Sektor: Tertiärer Sektor · Branche: Lagerhaltung und Logistikdienstleister · Unternehmen: DHL, Fraunhofer IML · Reifegrad: pilot
Die Open Customs Blockchain ist eine europäische Open-Source-Initiative zur Digitalisierung der Zollabwicklung, die seit 2022 entwickelt wird. Das Projekt umfasst zwei Hauptkomponenten: BORDER für Supply-Chain-Fokus und GPID für Zoll-Fokus, um Datendiskontinuitäten und manuelle Prozesse zu reduzieren. Das System befindet sich derzeit in der Pilotphase und wird mit 7,7 Millionen Euro vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert.
Beschreibung
Die Open Logistics Foundation (Dortmund, 2021 gegruendet) ist eine oeffentliche Stiftung fuer offene Logistik-Infrastruktur. Zu den Gruendungspartnern gehoeren DB Schenker, Lufthansa Cargo, Kühne+Nagel und weitere. Open-Customs-Blockchain ist ein Konzept zur digitalen Beschleunigung von Zollabfertigungen durch blockchain-gesicherte Dokumentenfreigabe.
Zollabfertigungen sind einer der letzten stark papierbasierten Prozesse im internationalen Handel: Ursprungszertifikate, Handelsrechnungen, Packlisten, Einfuhranmeldungen werden zwischen Exporteur, Spediteur, Zolldeklarant und Zollbehoerde ausgetauscht — oft per E-Mail oder Fax. Fehler und fehlende Dokumente fuehren zu Verzögerungen, die Lagerkosten und Vertragsstrafen verursachen. Blockchain loest das strukturell: Alle Zolldokumente werden beim Versand digital auf der Blockchain verankert; Zollbehoerden erhalten autorisierten Lesezugang und koennen Sendungen pre-clear, bevor das Schiff einlaeuft. Die EU Customs Reform (2023) zielt auf vollstaendig digitalen Zoll bis 2028. Open Logistics Foundation entwickelt Open-Source-Standards, damit verschiedene Blockchain-Systeme interoperabel sind. Praktische Erfahrungen: Singapur (TradeTrust-Plattform) und die Niederlande (Rotterdam Port Blockchain) haben bereits produktive Zoll-Blockchain-Systeme in Betrieb.
Perspektiven
Perspektive B2B — Unternehmen
Exporteure und Logistikdienstleister koennen durch blockchain-basierte Zolldokumente Abfertigungszeiten drastisch verkuerzen: Zollbehoerden erhalten sofortigen digitalen Zugang zu allen relevanten Dokumenten — keine Verzögerungen durch fehlende Papiere.
Perspektive B2C — Privatpersonen
Endkunden profitieren indirekt von schnelleren Lieferzeiten durch beschleunigte Zollabfertigung und können durch die verbesserte Transparenz die Herkunft ihrer Produkte besser nachvollziehen. Die reduzierte Betrugsanfälligkeit erhöht die Produktauthentizität und damit das Verbrauchervertrauen.
Perspektive Mitarbeitende
Mitarbeiter in Zoll- und Logistikabteilungen können sich von zeitaufwändigen manuellen Dokumentenprüfungen befreien und sich auf wertschöpfendere Aktivitäten konzentrieren. Die automatisierten Verifizierungsprozesse der Blockchain reduzieren repetitive Verwaltungsaufgaben erheblich.
Vorteile
Allgemein
- Die Blockchain-Technologie eliminiert das Betrugsrisiko durch unveränderliche Dokumentation aller Zolltransaktionen.
- Das System schafft eine gemeinsame Datenbasis für alle beteiligten Parteien und reduziert Datendiskontinuitäten.
- Die Digitalisierung ersetzt papierbasierte Prozesse und reduziert den manuellen Aufwand erheblich.
B2B — Unternehmen
- Unternehmen erhalten erhöhtes Vertrauen in die Datenkorrektheit und können Zollprozesse deutlich beschleunigen.
B2C — Privatpersonen
- Kunden profitieren von schnelleren Lieferzeiten durch optimierte Zollabfertigung.
Mitarbeitende
- Mitarbeiter können sich von repetitiven manuellen Tätigkeiten befreien und strategischere Aufgaben übernehmen.
Herausforderungen
Allgemein
- Die Integration in bestehende nationale Zollsysteme erfordert umfangreiche technische Anpassungen und regulatorische Genehmigungen.
- Die Koordination zwischen verschiedenen Zollbehörden und Supply-Chain-Partnern bringt erheblichen organisatorischen Aufwand mit sich.
B2B — Unternehmen
- Unternehmen müssen in neue IT-Infrastruktur investieren und ihre bestehenden Systeme an die Blockchain-Lösung anpassen.
Mitarbeitende
- Mitarbeiter benötigen Schulungen im Umgang mit der neuen digitalen Plattform und müssen sich an veränderte Arbeitsprozesse anpassen.
Technologische Grundlage
Das Projekt nutzt eine Blockchain-basierte Lösung zur fälschungssicheren Speicherung und Übertragung von Zolldokumenten und Supply-Chain-Daten. Die Blockchain-Technologie ermöglicht es, alle relevanten Handelsdokumente unveränderlich zu speichern und gleichzeitig verschiedenen Parteien wie Zollbehörden, Logistikunternehmen und Händlern kontrollierten Zugang zu gewähren.
Umsetzungsbeispiele
Open Customs Blockchain Pilotprojekt (DHL und Fraunhofer IML Konsortium, Lagerhaltung und Logistikdienstleister)
DHL und weitere acht Partnerunternehmen entwickeln gemeinsam mit Fraunhofer IML eine Blockchain-basierte Zollabwicklungsplattform. Das Pilotprojekt umfasst die Entwicklung von BORDER und GPID Systemen.
Tags
Zollabwicklung, Lieferkette, Digitalisierung, Dokumentenmanagement, Betrugsschutz
Quellen
- Open Logistics Foundation: Neues Pilotprojekt für sichere Zollprozesse (Goods Passport ID) — case_study
- DHL Freight: Blockchain in der Logistik – Beteiligung an der Working Group Open Customs Blockchain — case_study
- Fraunhofer IML: Open Customs Blockchain – The missing piece to unlocking the broad application of DLT for Customs? — technical_doc
- LOGISTIK HEUTE: Open Logistics Foundation startet Pilotprojekt für sichere Zollprozesse — news