Blockchain in der Automobilindustrie: 8 geprüfte Use Cases
In der Automobilindustrie sind 8 Blockchain-Use-Cases dokumentiert, darunter Bauteile lückenlos nachweisen, Kobalt-Herkunft transparent belegen, Fahrzeuge sekundenschnell zertifizieren. 3 davon sind produktiv im Einsatz, 4 im Pilotstadium, 1 eingestellt oder abgelöst. Alle Cases sind quellenbelegt (insgesamt 32 Quellen). Alle 8 sind redaktionell geprüft, mit ausgewiesenem Reviewer und Prüfdatum. (Stand: 03.10.2026)
| Use Case | Unternehmen | Status | Quellen | Geprüft |
|---|---|---|---|---|
| Bauteile lückenlos nachweisen | Renault in Zusammenarbeit mit IBM und RCS Global | Produktiv | 5 | 12.07.2026 |
| Kobalt-Herkunft transparent belegen | Volvo Cars | Produktiv | 3 | 15.04.2026 |
| Fahrzeuge sekundenschnell zertifizieren | Ford Motor Company | Produktiv | 3 | 15.04.2026 |
| Lieferketten transparent verfolgen in der Automobilindustrie | Ford mit IBM und RCS Global | Pilot | 8 | 12.07.2026 |
| Fahrzeugzugang temporär freischalten | Porsche | Pilot | 5 | 12.07.2026 |
| Fahrzeughistorie lückenlos nachverfolgen | BMW Group | Pilot | 4 | 15.04.2026 |
| Fahrzeugbatterien bis zum Recycling verfolgen | Ford Motor Company, Everledger, Cirba Solutions, Li-Cycle | Pilot | 2 | 03.10.2026 |
| Fahrzeugidentitäten für Behördenprozesse digital verknüpfen | Christoph Kroschke GmbH, CHAINSTEP GmbH, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Osborne Clarke, Blockchain Research Lab gGmbH | Eingestellt | 2 | 03.10.2026 |
Die Use Cases im Detail
Bauteile lückenlos nachweisen
Renault entwickelte gemeinsam mit IBM und einem Konsortium aus Automobilzulieferern die Blockchain-Plattform XCEED zur vollständigen Rückverfolgbarkeit von Komponenten und zur Compliance-Zertifizierung in der Lieferkette. Die Lösung basiert auf Hyperledger Fabric und ermöglicht es, Material- und Zertifizierungsdaten unveränderbar zu erfassen und allen beteiligten Partnern transparent zugänglich zu machen. Langwierige, manuelle Auditprozesse werden dadurch erheblich reduziert.
Kobalt-Herkunft transparent belegen
Volvo Cars nutzt Blockchain-Technologie zur vollständigen Rückverfolgbarkeit von Kobalt in den Hochvoltbatterien seiner Elektrofahrzeuge wie dem Volvo XC40 Recharge. Das Unternehmen arbeitet mit den Batterielieferanten CATL und LG Chem zusammen, um die ethische Beschaffung dieses kritischen Rohstoffs sicherzustellen und Transparenz in der gesamten Lieferkette zu schaffen. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt bei CATL im Sommer wird die Lösung nun in der gesamten CATL-Lieferkette ausgerollt und bei LG Chem eingeführt.
Fahrzeuge sekundenschnell zertifizieren
XCEED ist eine Blockchain-basierte Lösung für die dezentrale Zertifizierung und Compliance-Verwaltung in der Automobilindustrie, die von europäischen OEMs wie Renault und Zulieferern wie Faurecia entwickelt wurde. Die Plattform löst das Problem der fragmentierten und ineffizienten Fahrzeugzertifizierungsprozesse durch einen sicheren, transparenten Datenaustausch zwischen allen Beteiligten der Lieferkette. Nach erfolgreichen Tests wurde XCEED ab April 2021 an Produktionsstandorten in Bursa, Douai und Palencia implementiert und steht nun weltweit OEMs und Zulieferern zur Verfügung.
Lieferketten transparent verfolgen in der Automobilindustrie
Ford hat gemeinsam mit IBM und RCS Global eine Blockchain-Plattform umgesetzt, die Kobalt vom zertifizierten Minenstandort bis zur Batteriefertigung nachverfolgt. Dabei werden Lieferantenerklärungen und ein unveränderlicher Prüfpfad genutzt, um die Herkunft der Rohstoffe zu verifizieren und ESG-Risiken zu senken. Das Projekt adressiert zentrale ethische Beschaffungsrisiken wie Kinderarbeit und Konfliktfinanzierung in der Kobalt-Lieferkette.
Fahrzeugzugang temporär freischalten
Porsche hat in einer Testphase Blockchain-Technologie genutzt, um das Ver- und Entriegeln von Fahrzeugen per App sicherer und schneller zu gestalten. Dabei können Zugangsberechtigungen digital, unveränderbar und zeitlich befristet vergeben sowie nachverfolgt werden. Der Ansatz ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen Fahrzeug und Blockchain ohne Serverumweg und wurde in Zusammenarbeit mit dem Technologiepartner XAIN entwickelt.
Fahrzeughistorie lückenlos nachverfolgen
BMW nutzt mit PartChain eine Blockchain-basierte Plattform, um die vollständige Rückverfolgbarkeit von Komponenten und kritischen Rohstoffen in mehrstufigen internationalen Lieferketten zu gewährleisten. Das System kombiniert Blockchain- und Cloud-Technologien von Amazon Web Services und Microsoft Azure, um einen manipulationssicheren Datenaustausch zwischen Lieferanten zu ermöglichen. Das 2019 gestartete Pilotprojekt umfasste zunächst zwei BMW-Werke und drei Standorte des Lieferanten Automotive Lighting, mit geplanter Ausweitung auf zehn weitere Lieferanten.
Fahrzeugbatterien bis zum Recycling verfolgen
Ford Motor Company und Everledger starteten 2022 gemeinsam mit Cirba Solutions und Li-Cycle einen sechsmonatigen Batteriepass-Piloten. Verschiedene ältere und neuere Antriebsbatterien wurden dabei über Auto-ID-Technologien und Blockchain-Infrastruktur entlang ihres gesamten Lebenszyklus erfasst. Ziel des Projekts war der lückenlose Nachweis eines verantwortungsvollen Recyclings sowie die transparente Dokumentation zurückgewonnener kritischer Rohstoffe.
Fahrzeugidentitäten für Behördenprozesse digital verknüpfen
Die Christoph Kroschke GmbH realisierte gemeinsam mit CHAINSTEP, der HAW Hamburg, Osborne Clarke und dem Blockchain Research Lab den Demonstrator STEREO zur Verknüpfung digitaler Fahrzeugidentitäten. In dem Projekt wurden sichere Verfahren entwickelt, mit denen Fahrzeughalter ihre Identität und Verfügungsrechte dezentral nachweisen können. Als zentrale Verwaltungsfälle standen dabei digitale An- und Abmeldeprozesse im Fokus kommunaler Mobilitätsservices.